Die große Stille – Warum Abschalten so gut tut

Irgendetwas ist anders. Ungewohnt. Still ist es. Und zwar schon seit Stunden. Keine sms, keine whatsapp-Nachricht, kein Anruf, kein Eingangs-„Pling“ des Mailaccounts. Keine Push-Notiz, kein Newsletter. Es ist einfach nur ruhig. Dabei sitze ich nicht mal auf einer einsamen Berghütte ohne Empfang, sondern im Hotelzimmer. Ich mache Urlaub. Ich habe „medienfrei“. Eine Woche im Offline-Modus. Und zwar komplett.

In  meinem normalen Alltag wuselt es nur so von Geräuschen, mein Handy verbindet mich mit Kunden und Freunden rund um den Globus. Es piept, es vibriert. Schon morgens früh und auch noch abends spät. Auf dem großen Bildschirm meines Computers lese ich Nachrichten, schaue bei Facebook vorbei, schreibe Mails und Artikel, mache Überweisungen und bestelle Wein. Ein ziemlich digitaler, aber wohl auch ein ziemlich normaler Alltag. Natürlich gibt es auch die anderen Tage, wenn ich zum Coachen oder als Wanderführerin in den Bergen unterwegs bin. Doch Tage im Tal sind digital und laut.

Nun bin ich eine Woche mit meinem Verlobten im Urlaub und alles ist anders. Wir, die großen Weltreisenden, denen kein Ziel zu exotisch, kein Flug zu lang sein kann, checken in einem Wellness-Hotel nur 25 Minuten von unserem Zuhause entfernt ein. Fast haben wir das Gefühl, uns dafür rechtfertigen zu müssen. Und dann auch noch ohne Handys, ohne iPad, ohne Laptop. Ich verzichte sogar auf die tägliche Zeitungslektüre und auch der Fernseher bleibt aus. Wir machen medienfrei.

Ungewohnt fühlt sich das zunächst an. Die Frage „Hast Du mein Handy gesehen“ entfällt. Die Suche in Handtaschen und Sofaritzen, terrorisiert vom steten Klingeln – Vergangenheit. Wir wollen einen Freund treffen, der zufällig in der Gegend ist. Also haben wir uns schon vor unserer Abreise verabredet. Mittwoch, 17 Uhr, Café Lucca in Füssen. Ganz analog. Keiner von uns hat die Möglichkeit, noch Mal kurz per sms Zeit und Ort zu ändern. Oder gar abzusagen. Hat doch früher auch funktioniert. Einfach mal verlässlich sein.

Im Restaurant fallen mir beim Abendessen Paare auf, die ständig ihre Handys auf dem Tisch liegen haben, immer wieder drauf schauen, tippen. Volle Aufmerksamkeit für den anderen? Tiefe Gespräche? Fehlanzeige. Kaum vibriert das Handy, wandern Blicke und Konzentration von den Augen des Gegenübers auf das Telefon. Traurig irgendwie. Und ja, auch erschreckend. Eigentlich soll der Sinn doch sein, dank des Handys mehr mitzubekommen. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall: Wir verpassen wunderbare Momente! Das Paar beim Dinner, die Touristen, die am nächsten Morgen Schloss Neuschwanstein im Dauer-Foto-Modus nur durch ihr Handy sehen, statt wahrzunehmen, wie die Sonne langsam den Morgennebel vertreibt.

Ich dagegen genieße bereits die Ruhe und frage mich, warum wir uns eigentlich so oft zum Sklaven der Kommunikationstechnik machen lassen. Warum erwarten alle immer sofort Antworten? Müssen wir wirklich ständig erreichbar sein? Oder reicht es aus, Mails ein Mal am Tag zu beantworten, das Handy nur von 9-18 Uhr einzuschalten? Und erwarten  tatsächlich die anderen diese dauerhafte Verfügbarkeit, oder erwarte ich das von mir selbst? Statt einfach nur festzustellen, dass die Zeit „heute schon wieder schnell vergangen ist“, nehme ich sie nun bewusster wahr. Und bemerke: Auch ohne all den Input von Außen lebt es sich ganz wunderbar. Ja, möglicherweise verpasse ich etwas, weiß nicht alles. Und? Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich ihr nicht ständig dabei zuschaue.

Probiert es mal aus: Einen Tag zumindest mal ganz ohne Handy und Mails. Ihr werdet spüren, wie federleicht sich das schon bald anfühlt. Und immer daran denken: Ihr alleine bestimmt, welchen Platz Ihr Kommunikation und Technik in Eurem Leben gebt, nicht ein lärmendes Plastikteil.

Herzlichst – Nina von http://www.coaching-with-love.de

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