Kopf entleeren: Wie wir dem täglichen Gedankenkarussell entkommen

Kennt Ihr das auch, dass ihr nachts aufwacht, weil Euch zu viele Sachen durch den Kopf gehen? Oder dass Ihr gar nicht erst einschlafen könnt, weil Euch Eure Gedanken so sehr beschäftigen?

Ich wache in der Früh auf und das Erste was ich sehe sind zwei bunte Post-Its, die neben meinem Bett kleben. Der pinke Notizzettel erinnert mich daran, dass ich jeden Morgen meine Schilddrüsen-Tablette einnehmen muss, das blaue Post-it daran dass ich heute nicht vergessen darf die Mülltonne bis spätestens 08:30 Uhr vor die Tür zu stellen, damit die Müllabfuhr sie abholen kann.

Als ich aus dem Bett steige und ins Bad laufe, sehe ich von Weitem schon, dass am Türrahmen der Badezimmertür ein weiteres Post-it mit Anweisungen auf mich wartet: diesmal in knallgelb mit der Aufschrift: „Geburtstagsgeschenk für Tina nicht vergessen!“ Puh, gerade mal zwei Minuten wach und schon drei Dinge die ich nicht vergessen darf. Während ich Zähne putze laufe ich ins Büro und blättere den heutigen Kalendertag auf: Dort finde ich strukturiert und organisiert meinen Tagesablaufplan vor, sowie ein weiteres Post-It mit einer Anrufliste von Menschen, die ich heute unbedingt noch kontaktieren muss. Zurück im Bad gehe ich im Kopf noch einmal alle Punkte für den heutigen Tag durch, um auch ja nichts zu vergessen.

In der Küche angekommen finde ich den Einkaufszettel und ein weiteres Post-it mit der Aufforderung „Katzenfutter kaufen!!!“ das mich mit den drei Ausrufezeichen wohl daran erinnern soll, dass es dringend ist?! Und dann fällt mir noch ein: „Meine Mutter sollte ich auch mal wieder anrufen und meine Freundin Mia – Das muss ich heute noch unbedingt erledigen!“

Am Abend nach einem hektischen Tag zu Hause angekommen, erinnert mich mein knallgelbes Post-it daran, dass ich Tinas Geburtstagsgeschenk vergessen habe und als ich in die Küche komme um den Einkauf abzustellen, stelle ich erschrocken fest, dass ich das Katzenfutter auch vergessen habe. So ein Mist, also noch mal los…

Gestresst und genervt rufe ich aus dem Auto noch schnell meine Mutter an. Da sie mehr zu erzählen hat, als ich in meinem Plan für sie vorgesehen hatte, bleibt keine Zeit mehr für meine Freundin Mia.

Als ich wieder ins Bett falle, völlig erschöpft von den vielen Anforderungen und Aufgaben, die ich vergessen oder einfach zeitlich nicht geschafft habe, dreht sich erneut das Gedankenkarussell um alles und jeden. Nur nicht um mich.

Ist es richtig, dass ich ständig versuche alles ordentlich und strukturiert aufrecht zu erhalten, statt einfach mal auf mich zu schauen? Dass ich Menschen Geschenke zum Geburtstag organisiere, die jedes Jahr meinen Geburtstag vergessen? Freuen sich Freunde wirklich über meinen Anruf, auch wenn sie selbst sich nie bei mir melden? Ist es das wert, diesen Menschen und Dingen Zeit zu opfern? Meine Zeit? Das wertvollste was ich neben meiner Gesundheit habe? Diese Fragen habe ich mir immer und immer wieder gestellt…

Und bis ich meine Einstellung und Lebensweise wirklich bewusst verändert habe, hat gedauert… aber ich habe es geschafft! Nun verbringe ich in erster Linie mal Zeit mit mir selbst. Ich gebe zwar weiterhin viel an Freunde und Bekannte weiter, aber ich überlege bewusster wie viel und wem ich welche Aufmerksamkeit schenke.

Wir können nicht zu allen Menschen, die unseren Weg kreuzen, Kontakt halten. Bei manchen tut uns das leid. Bei anderen sollten wir es vielleicht viel früher erkennen. Weil sie unsere Energie saugen wie hungrige Staubsauger, uns aber nichts zurück geben. Wir müssen erkennen, welche Menschen uns nicht gut tun und lernen, sie loszulassen. Das mag im ersten Moment schmerzen, wirkt aber auch befreiend.

Meinen Tagesablaufplan habe ich umgestaltet in eine Prioritätenliste: Was muss wirklich erledigt werden, was sollte und was könnte erledigt werden und was möchte ich erledigen… und auch was nicht! Und schon werden die vielen TO-DO-Listen und Erinnerungsnotizen weniger und mein Kopf freier und klarer… und mein Gedankenkarussell steht still.

Auf eine ruhige Vorweihnachtszeit ohne Gedankenkarussell!

Herzliche Grüße, Eure Jenni

http://www.coaching-with-love.de

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