Meinen Weg zu mir konnte ich erst finden, als ich ganz unten war und aufhörte, anderen zu folgen!

Ich war sechs Jahre jung, als ich zum ersten Mal vollkommen eigenständig eine wichtige Lebensentscheidung für mich getroffen habe. Und das, ohne vorher jemanden danach zu fragen, ob es richtig oder falsch sei, ob es möglich wäre, oder nicht. Und an Risiken hatte ich damals gleich mal gar nicht gedacht, sondern nur an das Wohl der armen Tiere. Nur das Ziel im Auge, nur ich, mein Herz und mein Bauchgefühl, mein Dickschädel, meine Sturheit, mein Ehrgeiz und meine große Liebe zu Tieren, haben damals entschieden: Ich möchte nie wieder Fleisch essen!

Heute bin ich 34 Jahre alt und habe seit meinem 6. Lebensjahr kein Fleisch mehr gegessen. Und das, obwohl meine Mutter lange versucht hat, mir einzureden, dass es ungesund sei, ohne Fleisch zu leben. In der Wirtschaft bei uns auf dem bayrischen Land gab es Braten. Punkt. Und dennoch habe ich meinen Willen durchgesetzt und bin trotz vieler nerviger Predigten meiner Mutter und drohenden Warnungen von Ärzten das geworden, was ich sein wollte: Vegetarierin!

Warum also hat es später nicht mehr so einfach funktioniert, dass ich meine Entscheidungen einfach für mich aus dem Bauch heraus getroffen habe? Warum war es später wichtig, was andere über einen denken oder sagen würden? Warum wollen wir, dass unsere Eltern stolz auf uns sind und folgen deshalb oft dem Weg, den sie sich für uns wünschen oder uns vorleben? Warum ist das so?

Auf diese Fragen habe ich lange Antworten gesucht. Und auch wenn ich bis heute nicht jede einzelne beantworten konnte, so habe ich dennoch das Wichtigste verstanden: Wir sehnen uns alle nach Liebe, Geborgenheit, Anerkennung, Bestätigung und Lob. Jedes Bedürfnis ist jedoch bei jedem Einzelnen anders ausgeprägt. So war ich ein Kind, das vor allem nach Aufmerksamkeit und Geborgenheit suchte, diese Sehnsucht jedoch erst im Erwachsenenalter verstand.

In meinem Elternhaus wurde Arbeit und Geldverdienen groß geschrieben. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, hörte ich oft und immer wieder. Also begann ich nach der Schule eine Ausbildung, weil meine Eltern es wichtig fanden, dass mein Bruder und ich erst mal Geld verdienten. Ich dachte nicht viel darüber nach, ob es das war, was ich wollte. Es war einfach so. Punkt.

Ich arbeitete fleißig und zielstrebig, war meist in der Früh die Erste im Büro und abends die Letzte, die das Bürogebäude verließ. Ich gehörte zu den besten Auszubildenden, erreichte den besten Abschluss und wurde als Beste auch übernommen. Angekommen im Berufsleben, gingen der Fleiß und der Ehrgeiz immer so weiter. Unterbewusst wollte ich die Anerkennung und Bestätigung meiner Eltern, bewusst war mir das damals allerdings nicht.

In meinem Leben wurde die Arbeit immer wichtiger und nahm immer mehr Zeit in Anspruch. Ich wollte unbedingt erfolgreich sein, auch wenn mir die Definition von Erfolg damals nicht klar war. Ich dachte, wenn ich immer weiter aufsteigen würde auf der Karriereleiter, dann wäre ich erfolgreich, erfüllt und glücklich. Aber so war es nicht. Ich wechselte in die Event-Branche und danach in die Mode-Branche, weil ich immer wieder nach noch mehr Herausforderungen suchte. Ich stieg immer weiter auf, wurde Gruppenleiterin, Teamleiterin, Bereichsleiterin und war angekommen, wo ich immer dachte, sein zu wollen. Ganz oben. Ich opferte meine Hobbies, meine Freizeit, meine Freunde, meine Familie und meine Beziehung für den Beruf.

Aber ich war nicht glücklich. Ganz im Gegenteil. Ich war gestresst, unausgeglichen, müde, erschöpft, nahm ständig zu und wieder ab, fühlte mich ausgelaugt und leer. Ich wollte keinen Partner mehr, keine Freunde mehr treffen und auch sonst nichts tun. Ich wollte einfach nur noch die Wand anstarren und weinen. Und so kam es, dass ich in ein großes schwarzes Loch, ganz nach unten fiel. Physischer und psychischer Erschöpfungszustand.

Und obwohl ich bereits ganz unten angekommen war und so schwach wie noch nie zuvor in meinem Leben, hatte ich Angst, es zuzugeben. Ich hatte Angst, Schwäche zu zeigen. Ich war doch eine starke, erfolgreiche, eigenständige und selbstbewusste Power-Frau. Wie konnte ich denn jetzt so versagen? Wie sollte ich das meinem Arbeitgeber erklären und meiner Familie und meinen Freunden? Was würden sie über mich denken und sagen? Bei diesen Fragen schämte ich mich zutiefst und wollte mich einfach nur noch unter meiner Bettdecke verkriechen und nie wieder mit jemandem reden.

Obwohl die Ärzte mir klar und deutlich sagten, was mit mir los war und dass ich die nächsten Wochen erst Mal nicht mehr arbeiten können würde, schwindelte ich mein Umfeld an. Ich verharmloste die Situation und hoffte, dass es niemand bemerken würde. Mein Plan funktionierte auch zunächst. Aber aus den Wochen wurden Monate meiner Abwesenheit und Stille und so kam immer mehr ans Licht was wirklich los war…

…Erst 16 Monate später konnte ich mit voller Stärke und Selbstbewusstsein dazu stehen, was passiert war. Und auch wenn ich in der langen Zeit sehr viel Schmerz und Leid erfahren musste, so hatte ich auch Zeit zu spüren und zu fühlen, wer ich wirklich war und wer ich sein wollte.

Mein Weg war steinig und hart, aber er hat mich zu dem geführt, was ich heute bin. Die Schwäche hat mich nur noch stärker gemacht und die Einsamkeit klarer. Und ich habe gelernt, dass es wichtig ist, sich immer wieder Zeit für sich selbst zu nehmen. Hinterfrage bei allem, was Du tust, ob es das ist, was Du tun möchtest. Hinterfrage jeden Menschen in Deinem Umfeld. Tut er Dir wirklich gut und möchtest Du ihn in Deinem Leben haben? Frage Dich jeden Tag, ob es Dein Weg ist, den Du gehst. Oder ob Du dem Weg eines anderen Menschen folgst.

Mein persönlicher Tipp: Fahre einfach mal alleine in den Urlaub. Auch wenn es das erste Mal seltsam ist, alleine am Strand zu liegen oder zu wandern, beim Abendessen alleine am Tisch zu sitzen und mit niemandem zu reden, es wird Dir helfen, zu Dir selbst zu finden. Denn nur in der Stille bekommen wir die Antworten, nach denen wir suchen. Selbst ein liebevoller Partner beeinflusst uns unbewusst in eine Richtung, daher nimm Dir regelmäßig Zeit für Dich selbst. Ohne Ablenkung. Nur Du, Dein Herz, Deine Seele und Dein Verstand.

Es fühlt sich so fabelhaft und wunderschön an, wenn man sein eigenes Ich lebt. Ich habe meinen Weg gefunden und es ist mehr als Glück. Ich fühle mich frei und angekommen, ausgeglichen und ich ruhe in mir selbst. Die Meinung anderer ist mir mittlerweile völlig egal und alle Bedürfnisse sind gestillt – unterbewusst und bewusst, ich weiß wo ich hingehöre… zu mir selbst!

Herzliche Grüße, Eure Jenni

www.coaching-with-love.de

 

 

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